SUSPEKT
Ort: , Datum:
Nix Gut:
Schön, dass Ihr die Zeit gefunden habt, Euch mal ausquetschen zu lassen. Vorgestellt haben wir Euch schon im Vorwort also gehen wir gleich auf die Vollen. Wie habt Ihr Euch kennengelernt, und was hat Euch dazu bewegt Musik, speziell Punkrock, zu machen?“
Porno:
Der Wunsch eine Punkband zu gründen mit meinen eigenen Texten, war speziell bei mir schon in meiner frühesten Jugend vorhanden. Schon beim Hören der ersten Ärzte-Platten, da muss ich so in der Grundschule gewesen sein, stellte ich mir vor einmal Sänger einer Punkband zu sein.
Reifenpapst:
Bei mir war es ganz ähnlich , und ich denke da spreche ich auch für die beiden Anderen , denn seitdem ich denken kann höre ich Musik und wurde halt relativ früh von Punkbands wie Slime, Ärzte , Hosen usw. beeinflusst. Ich kann meine Gefühle wie Hass , Liebe , Wut und Ärger am besten mit Musik verarbeiten. Man geht in den Proberaum , spiet sich drei Stunden lang den Frust von der Seele und hinterher fühlt man sich sehr befreit und kann wieder klare Gedanken fassen. Zumindest für den Moment…
Porno:
Auf der Arbeit schrieb ich eines Tages das Lied Grenzenlos, komplett mit Text und Melodie im Kopf. Es war bis Dato das Beste was ich geschrieben hatte und wollte das Ganze auf Gedeih und Verderb irgendwie vertonen. Also fragte ich meinen Schlagzeug spielenden Kumpel Reifenpapst und langjährigen Weggefährten Pasta, der bereits bei Einbruch Zwecklos die Saiten zupfte ob sie nicht Bock hätten und na ja das Ergebnis ist bekannt…Daraufhin nervte ich den armen Pasta wirklich Tag und Nacht mit dem Vorsingen meines lyrischen Ergusses und er komponierte den Song dann schließlich genauso wie ich es mir erhoffte. Suspekt war geboren!
Reifenpapst:
Im Frühjahr 2004 haben wir dann einer anderen Einbecker Punkband(nämlich VGDX, hähähäh) den Bassisten abgeworben und schon war der Trümmerhaufen komplett. Und Karsten Olaf , unser Bass-Affe, ist wirklich ein Meister auf seinem Gebiet. Auch er war ganz früher mal bei „Einbruch Zwecklos“. Dann begannen die ersten wirklich kreativen Proben und wir haben innerhalb von 3-4 Monaten so ca.6 –8 Stücke geschrieben. Kurze Zeit später stand dann auch das erste Konzert an. Irgendwie ging das damals alles sehr schnell. Wir waren Anfangs doch sehr grün hinter den Ohren. Naja mittlerweile können wir auf mehr als 20 Konzerte zurückblicken, darunter auch mit wirklich geilen Bands wie z,B. RIOT COMPANY , FAHNENFLUCHT, PASCOW, SONDASCHULE, SCHMUTZIGE TATEN usw. Da sammelt man wirklich sehr viel Erfahrung und man wächst innerhalb der Band als feste Einheit zusammen.
Porno:
Unbedingt erwähnen müssen wir noch, das wir im letzten Jahr mit Timo sozusagen ein fünftes Bandmitglied gewonnen haben. Er ist unser Kontaktmann, Grafiker, Merch-man und vor allem eine Seele von Mensch ohne den wir definitiv nicht dahin gekommen wären, wo wir heute sind.
Nix Gut:
Ihr selbst nennt Eure Musik „Punk mit verständlichen deutschen Texten“, doch für diejenigen, die ihre Ecke und Einstufung einer Band brauchen, sagt Ihr, ist die Bezeichnung PLAUZENCORE die treffende Beschreibung. Wie ist denn dieser Begriff entstanden und was kann man sich denn darunter vorstellen?
Porno:
Unsere Musik kommt direkt aus dem Bauch, bei uns bezeichnet als Plauze. Und weil wir vier Plauzenmäßig sehr, sehr gut ausgestattet sind und heutzutage jede coole Band irgendwie Mucke mit „core“ dahinter spielt, spielen wir halt eben „Plauzencore“!
Reifenpapst:
Soll heissen , das wir EMO-CORE verabscheuen , ausser Karsten Olaf , der steht auf solche Heulbojen ; )
Nix Gut:
Euer erstes Album ist nicht nur im Kasten sondern auch schon in so einigen Musikregalen. Wie waren die Aufnahmen und ist alles so gelaufen wie Ihr Euch das vorgestellt habt?
Reifenpapst:
Jaja , die Aufnahmen ! Im Nachhinein betrachtet muss ich sagen, dass es wirklich eine sehr stressige aber zugleich natürlich auch supergeile Zeit war. Das ist wirklich eine verdammt lange Geschichte aber wir versuchen hier nicht zu sehr ins Detail zu gehen. Es kam natürlich alles ganz anders als geplant….
Porno:
Ich denke dass man das Ganze als eine sehr schöne und zugleich sehr Nerven aufreibende Odyssee ins Ungewisse bezeichnen kann. Anfangs strotzend vor Energie in See stechen, Abenteuer erleben, müde werden und ratlos sein, weil wir uns vielleicht doch zu viel in zu kurzer Zeit vorgenommen haben. Wir hatten ein paar Probleme mit dem Abmischen, die aber nur Zeit bedingt ein Problem darstellten. Wir haben uns einfach verkalkuliert und Nix Gut die Werbung für das Album zu früh geschickt und uns dadurch selbst unter immensen Zeitdruck gesetzt. Wir haben dann den finanziellen Nothammer aus der Fassung gerissen und das Ding dann professionell Mastern lassen. Aber so was ist halt einfach eine Erfahrung, die uns im Endeffekt nur weiter bringen kann und uns für das hoffentlich baldige nächste Mal wappnen wird.
Reifenpapst:
Ich hatte auch irgendwie das Gefühl, das die Harmonie innerhalb der Band zeitweilig am seidenen Faden hing. Ich glaub wir sind teilweise an unsere Grenzen gegangen. Naja im Großen und Ganzen hat es ja dann doch geklappt und jetzt können wir uns zufrieden zurücklehnen und unser Bierchen schlürfen und den Klängen unserer ersten Langrille lauschen.
Porno:
Auf die wir alle verdammt stolz sind!
Nix Gut:
Am 17.02.07 fand in Einbeck die dazugehörige Record-Release-Party statt. Da gab es ja im Voraus einige Promlemchen die sich angekündigt hatten. Was war da los und wie ist die Geschichte ausgegangen?
Porno:
Es gab im Vorfeld einige Unstimmigkeiten im Gästebuch auf unserer Homepage. Ein paar überflinke Szenepolizisten, meinten alles besser zu wissen und behaupteten unsere befreundete Band RIOT COMPANY, würden Kontakt zur rechten Szene pflegen und wir wurden dementsprechend als „rechtsoffen“ betitelt. Jeder der sich mit der Szene auskennt sollte wissen, das das absoluter Schwachsinn ist und RC seit über 6 Jahren unter dem „Good Night white pride“-Banner spielen und sich offen gegen Rassismus aussprechen. Wir haben zwei Konzerte mit den Jungs gespielt und können 100 % sagen, das die vier Jungs alles aber auch wirklich ALLES ANDERE als Rechts, rechtsoffen oder sonst was in dieser Richtung sind. Wir als Band und bevor es die Band gegeben hat, haben uns stets und offen gegen Rechtsradikalismus, Extremismus und Rassismus ausgesprochen und wenn wir uns eine Band einladen, uns bei unserer Veranstaltung zu unterstützen, dann wird dies bestimmt keine sein von der man den regulären Verdacht hat eine rechte Band zu sein! Und das können sich diese ganzen Besserwisser jetzt endgültig hinter die Ohren schreiben!
Reifenpapst:
Es war wirklich alles andere als entspanned. Es ging sogar soweit , das von Seiten der Polizei , der Stadt Einbeck und sämtlichen anderen Organen geraten wurde , das Konzert zu canceln. Das wurde natürlich gekonnt ignoriert. Am Tage des Geschehens erreichte uns dann auch noch die Nachricht, und das aus scheinbar sicherer Quelle , das sich die wohl anscheinend reformierte KAMERADSCHAFT NORTHEIM/LEINETAL angekündigt hat , um uns an diesem Abend einen Besuch abzustatten. Zur Verwunderung aller beteiligten, denn eigentlich existierte diese Vereinigung um Ex FAP Mitglied Thorsten Heise unseres Wissens gar nicht mehr. Da steht man natürlich vor der Frage wie man auf so eine Bedrohung am besten reagiert. Das Konzert absagen? Oder trotzdem spielen? Welche Sicherheitsvorkehrungen sind zu treffen? Für uns war eigentlich von Anfang an klar trotzdem zu spielen. Resultat : Vier Securities angeheuert um dem schlimmsten Vorzubeugen und einfach unser Ding durchgezogen. Wir lassen uns jedenfalls nicht unsere Freiräume zerstören von solchen Wichsern. Tja, und im laufe des Abends entpuppte sich das ganze dann als schlechte Stimmungsmache und die Einzigen die stressten waren die verdammten Securities! Eigentor!
Porno:
Und das von unserer Kohle!!!
Nix Gut:
Ihr kommt, wie schon gesagt, aus Einbeck. Für die geographisch Desorientierten kann man sagen, dass diese Stadt zwischen Hannover und Göttingen liegt. Geht es da des öfteren zwischen „linken“ und „rechten“ Fronten zur Sache? Oder war Eure Release-Party nur eine Ausnahme?
Reifenpapst:
Man muss natürlich auch erwähnen das es ansonsten hier in Einbeck keine wirklich relevante rechte Szene gibt und das wir die ganze Lage vielleicht falsch eingeschätzt haben.
Porno:
In unserer Kindheit gab’s mal eine größere Gruppe von Boneheads, die hier und dort rum randalierten, Hakenkreuze an Schulen gekritzelt haben und uns als Kindern Angst einjagen wollten. Diese Blödblinsen sind mittlerweile tot, absolute Vollalkoholiker im Endstadium, verschollen oder einfach zur besseren Besinnung gekommen und in den Abgründen der Normalität verschwunden. Es gibt noch so ein paar Pfeifen mit Glatze und coolen Thor Steiner Klamotten die den Kids vorm Supermarkt Schiss machen wollen und feist überlegen durch die Gegend grinsen, jedoch wesentliche größere Gruppierungen gibt’s zum Glück kaum noch, zumindest nicht organisiert. Jedoch halten wir immer noch die Augen und Ohren offen und machen auch so gut es geht aufmerksam darauf, wenn sich in dieser Richtung mal wieder was tut.
Nix Gut:
Euer Album beinhaltet 12 starke Stücke die im Oktober 2006 in Eurem Proberaum aufgenommen wurden. Wie verfahrt Ihr beim Songwriting und Komponieren? Ist immer einer für Texte oder Musik zuständig oder darf jeder ganz demokratisch seinen Senf dazugeben?
Porno:
In den meisten Fällen ist es so, dass ich die Texte schreibe und die Songs im Laufe der Zeit musikalisch im Proberaum komplettiert werden. Das geschieht dann natürlich ganz demokratisch. Jedoch die Riffs sind zum größten Teil von Pasta und auch einige Lieder wie zum Beispiel „Spiegelbild der Zeit“ oder „N.I.N.A“ stammen aus seiner Feder. Mann kann eigentlich nicht sagen so und so entstehen Songs, es ist dann einfach so und schließlich macht dann die gesammte Band den Song zusammen. Eine Hirachie gibt’s bei uns zum Glück nicht.
Nix Gut:
Einer der ersten Songs auf dem Album nennt sich „Lebensanleitung“. Was hat es mit diesem Song auf sich und wie ist das mit dem „anderen Leben“ gemeint?
Porno:
Es ist in erster Linie für mich ein sehr persönliches Lied, vielleicht das persönlichste was ich je geschrieben habe. Ich setze mich in diesem Stück mit mir selbst und meiner Person auseinander. In der Zeit (ziemlich genau Winter 05/06) in der ich es geschrieben habe, stand ich vor einem großen Umbruch; Prüfungen bestehen, bevorstehende Arbeitslosigkeit, meine damalige Beziehung die nach und nach zu Bruch ging. Irgendwie kam mir mein Leben damals so vor, das ich auf der Stelle trete und nicht den Arsch hoch bekomme um irgendetwas in dieser Situation ändern zu können. Ich war kurz davor 27 Jahre alt zu werden und bin nicht mal annähernd an den Punkt gelangt den ich mir irgendwann mal, in anderen, scheinbar besseren Zeiten vorgenommen habe, in diesem Alter zu sein! Gleichzeitig wusste ich aber auch nicht, ob das Ziel was ich mir damals gesetzt hatte, in meiner heutigen Situation auch noch setzen würde, weil sich viel seit der damaligen Zeit in mir und um mich rum verändert hatte und ich reifer im Denken und Handeln geworden bin. Deswegen betrachte ich manche Punkte aus meiner Vergangenheit wie ein anderes Leben, ein anderes Dasein, denn man ist einfach heutzutage nicht mehr der genau selbe wie vielleicht vor 10 Jahren! Ich bin es jedenfalls nicht mehr….
Nix Gut:
Auf dem Album befindet sich auch ein „Knochenfabrik“-Coversong, welcher den Namen „Fuck Off!“ trägt. Warum habt Ihr gerade diesen Song gecovert?
Porno:
Ganz einfach! Geiler Text, geiles Lied, 3 Akkorde-leicht zu spielen und es macht nach dem 1000. Mal immer noch Spaß! Außerdem wollten wir es besser spielen als alle Versionen bisher und das ist uns gelungen!
Nix Gut:
2005 ist Eure Demo CD „Heiliger BimmBamm Buchstabensuppe“erschienen. Damals wart Ihr noch ohne Label unterwegs. Wart Ihr auf der Suche nach einem Label? Und was hat sich Eurer Meinung nach seit Eurem Ankommen auf Nix Gut Records geändert?
Reifenpapst:
Nachdem wir die Buchstabensuppe fertig hatten, schickten wir die CD zusammen mit einem nett gestalteten Anschreiben zu sämtlichen Labels, zu den unserer Meinung nach unsere Musik passen könnte.
Porno:
Das Anschreiben war übrigens die erste „Amtshandlung“ unseres „frisch“ dazu gekommenen Grafiker, Booker und Merch-man Timo.
Bei den Labels waren aus der Punkszene sehr bekannten dabei, nur blieb ein Erfolg aus. Schließlich und zu unserer großen Freude, meldete sich dann Peter von Nix Gut beim Reifenpapst auf der Arbeit und ein paar Tage später standen wir dann unter Vertrag.
Reifenpapst:
Vorerst blieb dann eigentlich alles beim Alten, doch nachdem dann im Januar das fertige Album erschien, sollte sich schnell zeigen was es heißt eine „Label-Band“ zu sein. Es kamen etliche Konzertanfragen unter anderem mit Peters Hilfe in Kiel und jetzt bald auch in Karlsruhe. Wir kommen im Moment viel rum im Gegensatz zu vorher, wo es oft nur Konzerte in der näheren Region waren.
Porno:
Daran merkt man schon das sich viel verändert, wenn man auf einmal so ein richtiges eigenes Album draußen hat. Alleine schon wenn wir weit weg von unserer Heimat spielen und dann Leute unsere Songs mit singen, das hat mich neulich echt gefreut und erstaunt!
Nix Gut:
Was würdet Ihr Euch für Eure musikalische Zukunft und Laufbahn wünschen, gibt es da schon bestimmte Pläne?
Porno:
In erster Linie erhoffen wir uns dass es auf diesem Wege bleibt und wir weiterhin viele Konzerte, an vielen Orten spielen können. So viele Menschen wie möglich mit unseren Texten und Musik erreichen und natürlich schön wäre es, wenn wir uns auf Dauer einen Namen in der Szene machen könnten.
Reifenpapst:
Und natürlich so bald wie möglich ein zweites Album aufnehmen, denn wir sind fleißig wie nie zuvor dabei neue Songs zu schreiben….
Nix Gut:
Und fast am Ende, kommt Ihr, wie alle Nix-Gut-Bands, an dieser Frage nicht vorbei: welche Lebensweisheiten oder Anregungen würdet Ihr gerne Euren Zuhörern mit auf den Weg geben?
Im Bezug auf den Ärger und den Anschuldigungen die uns in den letzten Wochen erreichten, möchten wir allen Punkrockern, Skins und Bands den es so ähnlich geht raten, sich durch so ein Blödsinn nicht entmutigen zu lassen und fest an sich und seine Sache zu glauben. Lasst euch durch so vorwitzige Szenepolizisten nicht den Spaß verderben und vor Allem nicht vorschreiben, was ihr zu denken, zu sagen oder wie ihr handeln sollt. Denn dabei geht’s doch letztendlich im Punkrock, Freiheit und sich aufzulehnen gegen Vorschriften! Es gibt in allen Szenebereichen, Typen die von sich denken alles zu wissen und das auch noch besser, jeden Schritt den Du tust zu überwachen, mit mahnendem Zeigefinger hinter Dir her rennen und meinen die Entscheidungsgewalt darüber zu haben was denn PC ist und was nicht. Deshalb, macht einfach euer eigenes Ding, geht zu Konzerten, Meetings, Festivals oder gründet selber ne Band und schreibt euren Ärger und eure Gefühle nieder und freut euch darüber, wenn es jemanden erreicht und sich für die Musik begeistern kann.
Nix Gut:
Wir bedanken uns für das Kreuzverhör und wünschen Euch weiterhin nur das Beste!