PROPAGANDA NETWORK

Ort: , Datum: 30.11.2899

Nix Gut:
Das Album ist nun draußen und die ersten Kritiken, wie z.B.: Plastic Bomb: „Muß ich kein Prophet sein, um der Band eine große Zukunft am Deutschpunk-Himmel zu prophezeien.“, sind hammergeil ausgefallen. Wie schlägt das bei Euch ein?

Naja, wir sind natürlich erfreut, dass unsere Musik von fast allen Kritikern, deren Rezensionen wir bisher gelesen haben, als äußerst mitreißend beschrieben wird. Wenn man jedoch die Kritiken in ihrer Gesamtheit betrachtet und miteinander vergleicht, bemerkt man ebenso, dass sich gerade an den Texten die Geister scheiden. Für die einen sind sie zwar durchdacht, aber zu polarisierend bzw. stellenweise gewaltverherrlichend (ich denke darauf gehen wir später noch ein), andere entdecken darin genau das, was gesagt werden muss und stimmen dem zu. Ebenso widersprechen die Aussagen der Kritiken sich ständig, da diese Bewertung abhängig von lediglich einer Person ist, die mit einem vorgeformten Musikgeschmack unsere Musik ständig in Vergleiche zu anderen Bands stellt; die Bewertung geschieht also aus einer speziellen Musikvorstellung heraus. Ob nun gute oder schlechte Kritiken, letztlich ändert dies nichts an unseren Vorstellungen von Musik.


Nix Gut:
Wie habt Ihr eigentlich als Band zusammen gefunden? Waren die Gründe für Eure Zusamm-Rottung wirklich, wie in der Bandinfo beschrieben, die nervigen Rockbands die nur über belangloses sangen und Lokalnationalismen predigten? Erzählt, wir sind ganz Ohr!

Oktober 2000, Schulhof, Bier, Instrumente, freier Kellerraum, gleicher Musikgeschmack, Kassettenrekorder, Schnaps, Bremszüge für die Bassgitarre, musikalische Talentfreiheit (wichtigste Grundlage), nervige Rockbands,
fehlende lokale Freizeitgestaltungsmöglichkeiten, Bartwuchs mit 14, Motorradtapeten im Baumhaus, unser Freund Kalle (-Fornia)

Nix Gut:
„Parole Parole Parole“ heißt das gute neue Werk und beinhaltet 12 saugeile Arsch-Tritt-Songs! Woher kam der Gedanke Euer Album auf Nix Gut zu releasen und wie seid Ihr auf unser Label aufmerksam geworden?

Zu aller erst waren wir irgendwann 2004 oder 2005 auf dem „Klänge gegen Zwänge“ Sampler vertreten und Nix-Gut kannten wir sowieso alle als Mailorder. Der Hauptgrund, dass wir Nix-Gut ein Demo geschickt haben, sind die fairen Preise und die große Zahl an Zuhörern die man erreicht.

Nix Gut:
Alles Parolen! Kann man auf dem Cover des Schönen Digipacks Eurer CD lesen. Und auch ein Song mit dem selben Namen wie das Album, ist darauf zu finden, nämlich „Parole Parole Parole“. Zeilen die wahrer nicht sein könnten, wenn man liest „während die linke sich unentwegt streitet“!
Was glaubt Ihr worin diese Unstimmigkeiten in der Szene liegen?

Diese Unstimmigkeiten sind nicht unbedingt negativ zu sehen, denn betrachtet man die Entwicklung linker Bewegungen, so ergibt sich zwar ein zersplittertes Bild, doch das ewige Abspalten und Aufteilen geschieht aus einem Grund, aus einer Eigenheit, welche die Demokratie (die wohlwollend ihre Beine für den Kapitalismus breit macht) nicht im Stande wäre zu überstehen, eben der ständigen Erneuerung und Regeneration. Das verdeutlicht die Kraft, besonders der radikalen „Linken“: Zerfall in viele kleine Einheiten, von denen einige wachsen oder sich regenerieren, andere aber sterben oder stagnieren. Das ist eine anarchische, doch notwendige Selektion. Die Selektion der Menschen, innerhalb linker Bewegungen und ihrer Ideen zur Lösung der Probleme, die gegenwärtig diese Zeit bestimmen und dem damit verbundenen Ungleichgewicht in der ökonomischen, politischen, ökologischen und sozialen Welt. Die „Linke“ muss sich stets streiten und uneins sein über ihre Ziele, dass ist eine wahrhaftige Demokratie. Dadurch, dass man sich ständig gegenseitig (und auch selbst) im Weg steht, kontrolliert man auch seine eigene Moral, seine Ideale und die Maßstäbe mit denen man bisher gemessen hat, sowie den damit verbundenen „guten“ Absichten.

Nix Gut:
Und um noch mal auf den Song zu kommen, welche Alternativen hättet Ihr denn noch, zur Bekämpfung der Nazis, wenn man mal das Totschlagen und Rübe abhauen außen vor lässt? ;)

Zunächst mal muss zu der Textzeile, die schon zu einigen Diskussionen zwischen Kritikern und Hörern geführt hat, gesagt werden, dass sie spontan im Studio entstanden ist und eigentlich gar nicht zum Text gehörte. Diese Textzeile soll durch ihre übertriebene Schilderung von Gewalt, wie zum Beispiel in Filmen des Regisseurs Quentin Tarantino, provozieren und zum Nachdenken anregen. Ich verurteile die Gewalt gegen Nazis nicht, nein, ich würde sogar sagen, dass sie nötig ist, mit aller Vehemenz und aller Entschlossenheit, nur nicht bis zu dem Punkt, an dem ein Mensch (Nazis sind ja vermutlich auch irgendwo Menschen) zu Tode kommt. Diese Textzeile ist eher ein Ausdruck meiner Wut und die Kritik daran hat mir zeitgleich geholfen, meine eigene Position neu zu überdenken und ich hoffe, dass es genau das auch bei Anderen bewirkt. Ich gehe oft mit mir selbst ins Gericht und manchmal ist es notwendig, dass man mit seinen eigenen Grundsätzen bricht, denn manchmal ist Gewaltverzicht der blödeste Grundsatz und manchmal der Beste.
In dem Lied selbst aber sind noch eine Menge anderer Vorschläge zu hören, z.B. den Nazis in allen gesellschaftlichen Bereichen entgegen zu treten, besonders den so genannten „verkleideten“ Nazis, die eine neue Strategie der „Rechten“ darstellen, die ihr Gedankengut langsam in die Mitte der Gesellschaft bringen. Es ist wichtig Nazis dort lächerlich zu machen, wo sie ernst genommen werden. Informiert euch und präpariert euch für Diskussionen. Diskutiert auch mit Leuten, die „nur“ mit Nazis befreundet sind und klärt diese Menschen auf diskutiert ebenso mit jungen, frischen Nazis, die vielleicht noch zu retten sind, aber zerschlagt die Strukturen der „Alten“. Wenn ihr noch zur Schule geht, verhindert Mobbing, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade Menschen, die ausgeschlossen und gemobbt werden, potenzielle Opfer der Nazis sind, die diese gerne in ihre Reihen aufnehmen. Die letzte Konsequenz ist Zusammenhalt und Gewalt, denn genauso oft, wie sich der nationalistische Irrtum in jedem Faschisten wiederholt, müssen wir die Wahrheit, entgegen dem Nationalismus und dem Angesicht eines jeden, der die Verbrechen der Vergangenheit und auch die dieser Zeit stillschweigt, gerade während ein Land sich im eigenen „Deutschsein“ suhlt, tausendfach erneut diesem Irrtum gegenüberstellen; müssen wir die Menschlichkeit eines jeden genau dem Irrtum gegenüberstellen. Denn die eigene Nationalität ist das Letzte womit sich ein Mensch gegenüber anderen aufwerten kann. Ich beende meine Vorschlagsliste, die eigentlich noch viel länger ist, mit einem Zitat von Hermann Hesse: „Ein Pazifist ist Jemand, der zuschaut, während Andere sterben.“

Nix Gut:
Einer Eurer absoluten Hammer-Songs nennt sich „Konvexspiegel“, und ist auch auf der ersten CD-Beilage des Taugenix-Fanzines zu hören. Ein Text, der für manche sicherlich nicht ganz klar verständlich ist. Könnt Ihr mal schildern, was Ihr mit diesen Zeilen genau aussagen wollt?

Der Text zu Konvexspiegel ist sehr alt, den habe ich etwa mit 16 geschrieben, während einer depressiven Phase. Grob gesagt beschreibt dieser Text eine Momentaufnahme meines Seelenzustandes zum Zeitpunkt der schriftlichen Fixierung meiner Worte auf Papier. Er thematisiert die Bedeutung der Gegensätze zueinander. Wenn es das Eine nicht gibt, gibt es das Andere, also dessen Gegensatzpaar, auch nicht. „Was sich zeitgleich liebt und hasst. Es wird nie zerstört!“ Und ebenso wird meine Zerrissenheit deutlich: Meine Unentschlossenheit, die mich oft kreativ macht und die Depression danach, nach der ich so entschlossen bin.
Ebenfalls wird der Wunsch deutlich die öde Umgebung (Kleinstadt) in der ich mich befinde, zu verlassen („…wie ein Heuballen in einem schlechten Western, einer Geisterstadt und ich hab´ fertig gepackt.“), was eine gute Überleitung zur nächsten Frage ist…

Nix Gut:
Den Ort aus dem Ihr kommt, beschreibt Ihr nur als „mäßig infrastrukturierte Kleinstadt“. Wo liegt Diese genau und was geht da so ab, vor allem an politischer Bewegung – links und rechts, und auch Party-mäßig?

Haselünne liegt im Emsland, das an Holland grenzt und ist bekannt für seine alkoholischen Spezialitäten, da zur Stadt mehrere Brauereien gehören. Dort wurde „Propaganda Network“ gegründet. Zwei Bandmitglieder (Franco und ich)wohnen aber mittlerweile im einige Kilometer entfernten Meppen, dass bekannt für seine Rechtsrockbands ist. In Meppen werden Nazis gemeinhin akzeptiert, Nazis und Metaller stecken oft unter einer Decke und agieren zusammen. Vermeintliche „Linke“, oder „Alternative“ schütteln Nazis die Hände und besuchen teilweise dieselben Lokale. Über das Emsland habe ich ein Gedicht geschrieben, dass die Verbundenheit zu meiner Heimat beschreibt:

Kurt Cobain Fans!
Örtliche Metal-Bands!
Abiturienten tragen Second-Hand!
Emsländ!

Naziskinheads!
Ü 30 Dance!
Brötchenhälften mit Mett!
Emsländ!

CDU Wahlsieg!
Hab deine Heimat lieb!
Wo es nicht nur Felder,
nein, Köpfe voll Gülle gibt!

Nix Gut:
Da Ihr Euch selbst als Polit-Punk-Band seht, wollen wir noch ein bischen mehr Politik in dieses Interview rein bringen. Wie seht Ihr die Entwicklung dieses Landes unter der Führung von unserer Angie, positiv wie negativ?

Die neuesten Ereignisse rund um den G8-Gipfel beweisen, wie weit sich die Marionetten-Regierungen (die Wirtschaft hält die Fäden in der Hand) der Industriestaaten bereits vom Volk entfernt haben. Politiker besitzen keinerlei Glaubwürdigkeit mehr. Wir selbst fühlen uns deshalb keiner Partei zugehörig. Halbherzige Reformen helfen diesem Land nicht und etwas Positives haben wir von der großen Koalition um Frau Merkel bisher nicht mitbekommen. Das Problem ist der Kapitalismus und die weltweite Vernetzung des Kapitals, denn während es Wenigen das gibt, was sie in Wirklichkeit nicht sind, stirbt bei den Übrigen der Glaube, dass sie nicht wirklich sind, was sie sein könnten.

Nix Gut:
So, langsam neigen wir uns dem Ende zu, aber wir wären nicht Nix Gut, wenn wir nicht sauneugierig ins private übergehen würden! Was treibt Ihr denn so in Eurer Freizeit? Welche Berufe, Ausbildungen oder sonstiges meistert Ihr gerade und seid Ihr in irgendeiner Form politisch oder sonst wie noch aktiv?

In unserer Freizeit spielen wir in einer politischen Punkband. Unser Schlagzeuger Kalle-Fornia hat sich gerade selbstständig gemacht und betreibt ein Hot-Dog-Stand in Lähden und demonstriert ab und an gegen das Ponyreiten auf Jahrmärkten. R.P. Fröhlking gewann die letztjährigen deutschen Meisterschaften im Pfahlsitzen, währenddessen er viel Zeit für neue Texte hatte. Pim macht eine Lehre als Sprengmeister und plant eine Farm in Texas zu kaufen. Fräncostein Pleckbörna ist Hausmann und verdient seinen Lebensunterhalt durch geschicktes Austricksen sämtlicher Spielautomaten des Dorfgrills (also alle beide!!). Als Band spielen wir am liebsten Soli-Konzis z.B. für die „Rote Hilfe“ und die „Aktion blinde Friedenstaube“.

Nix Gut:
Stellt Euch vor, Nix Gut würde jedem von Euch, einen Riesen-Wunsch erfüllen können, egal was es wäre! Welche Träume, Möglichkeiten oder Spielereien wären dies? Oder seid Ihr wunschlos glücklich?

R.P.Fröhlking: Einen neuen Gitarristen
Fräncostein Pleckbörna: Einen neuen Schlagzeuger
Pim: Einen neuen Sänger
Kalle-Fornia: Einen neuen Bassisten
Band: Ein Jahr ohne Weihnachten!

Nix Gut:
Und hier mal wieder, wie in allen unseren Interviews, ist Euer Statement gefragt! Was mhtet Ihr Euren Fans, Zuhörern oder den Lesern dieses Interviews noch mit auf den Weg geben? Also ein Paar persönliche Zeilen bitte!

Hinterfragt, kritisiert, seid unbequem und kriecht niemanden in den Arsch!
Alles ist veränderbar, wir müssen uns nur einig sein.
Frohe Weihnachten! (Es liegt Komik in der Tragik)

Nix Gut:
So, die schönsten Momente gehen bekanntlich immer am schnellsten vorbei! So auch unser Interview! Wir sagen danke schön und Aufwiedersehen und wünschen Euch weiterhin nur das Beste!!!


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