FREIBEUTER AG:

"Interview Freibeuter AG"

Nix Gut:
Hallöle, schön mal wieder mit Euch plaudern zu können! Seit der Veröffentlichung Eures zweiten Albums ist wieder eine Weile vergangen! Was glaubt Ihr wie es ankam und wie waren die Resonanzen?

Matze: Naja, das Album kam bei den Leuten ganz gut an. Zudem haben wir einige neue Zuhörer gewonnen, insbesondere auch im Bekanntenkreis. Da scheint die Anzahl der Leute, die unsere Musik mögen, ganz schön gestiegen zu sein, was vielleicht auch mit dem Sängerwechsel zu tun hat. Mit dem alten Sänger sind nicht ganz so viele Leute klargekommen...

Mic: Hallo auch! Wir sind froh mal wieder mit unserem Label labern zu können. Das letzte Album ist vor fast einem Jahr von uns im Studio eingespielt worden (unser erstes mal Studio). Es gab viele Resonanzen und CD Besprechungen. Die Meisten davon sehr gut, einige haben nur die Erwartungen nach dem ersten Album etwas höher angesetzt. Wir haben uns aber eher noch an unserem ganz eigenen Stil orientiert, also durchaus unsere eigenen Erwartungen erfüllt. Es gab auffällige Unterschiede zwischen den Rezessionen „professioneller CD-Besprecher“, im schlimmsten Fall von irgendwelchen Metal-Magazinen, die dann dementsprechend beschissen ausfielen und den Leuten, die unsere Mukke dann letztendlich auch hören, also dem Publikum. Die Reaktionen unserer Stammhörer waren durchweg positiv. Das ist am Ende auch das eigentlich Wichtige: dass es den Leuten gefällt die uns kennen und mögen. Wir waren auch sichtlich überrascht, als wir sogar aus dem Ausland plötzlich Mails von Leuten bekamen, die uns einfach nur sagen wollten wie geil sie uns finden. Bisher kamen z.B. Mails aus Spanien, Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz. Besonders überraschend ist das natürlich auch, weil wir ausschließlich deutsche Texte haben und Leute aus nicht-deutschsprachigen Ländern davon eigentlich nix verstehen.

Floh: Die Reaktionen auf das neue Album waren wie gesagt sehr unterschiedlich. Es gab sehr viele positive Rückmeldungen aber auch einige Schlechte. Von einigen wurden wir aufgefordert, das Musik machen doch besser bleiben zu lassen. Auf solche Leute sollte man aber nicht viel geben wenn sie Platten nur bewerten, um sie schlecht zu machen und offensichtlich keine Ahnung davon haben! Ansonsten sind sehr viele Leute an uns herangetreten denen die Scheibe sehr gut gefallen hat. Das bekommt man dann live auch zu spüren, ob es den Leuten gefällt oder nicht. Es hat sich ja auch musikalisch einiges bei uns getan in den letzten zwei Jahren.

Jörg: Uns gefällt das Album selbst verdammt gut. Das ist meiner Meinung nach eh das Wichtigste. Und wenn es mir gefällt, heißt das schon was. Das war bei unserer Musik nämlich bis jetzt nicht immer der Fall.

Nix Gut:
Ihr habt mit „Bewegt Euch“ einen grandiosen Dampfhammer abgelassen. 15 Songs die sich sehen und vor allem sehr gut hören lassen können! Und das sogar ziemlich kurze Zeit nach Eurem ersten Album. Befandet Ihr Euch in einer „Kreativen Phase“ oder wie kam so viel Guter Stoff in so kurzer Zeit zusammen?

Mic: Danke erstmal für das große Lob von Euch. Der Abstand vom ersten zum zweiten Album war in Wirklichkeit viel größer, da wir die „Strafen & Klagen“ eigentlich schon 2005 im Proberaum aufgenommen haben. Erst ein Jahr später, 2006, haben wir sie dann bei Euch noch mal als Neuauflage professionell gepresst und mit einem bunten Booklet raus gebracht. Daher hatten wir auch ganze zwei Jahre Zeit uns viel Guten Stoff zu zulegen *lach*. Wir hatten ursprünglich sogar noch ein paar mehr Songs, die es aber nie über das 1-2 Mal proben hinaus geschafft haben. Wie bei jeder andere Band auch ist da auch viel Schrott raus geflogen, bevor wir ins Studio gegangen sind. Es gab in der Zeit aber tatsächlich eine große „Kreative Phase“ in der sehr viele Songs und Texte entstanden sind. Allein die tägliche Scheiße mit der wir es zu tun haben, die wir in den Nachrichten lesen und unglaubliche Schweinereien von Politikern, lügen, treten, schreien … all das ist der Stoff aus dem unsere Songs sind. Wir schreiben unsere Texte oft auch in gemeinschaftlicher Arbeit, der Eine schreibt die Rohfassung, die Anderen kritisieren ihn dann runter auf ein gesundes, hörbares Niveau.

Jörg: Im Vorfeld haben wir uns eigentlich fast übernommen. Wir wollten ja das Album unbedingt in der nächsten Nix Gut-Ausgabe raus bringen und hatten gerade noch 2 Monate Zeit. Wir haben eben etwas spät ernsthaft angefangen die Lieder aufzubauen. Die Songs standen zwar zum größten Teil schon, aber erst in den Rohversionen. Ein paar Sachen, wie z.B. das ein oder andere Solo entstanden dann auch erst im Studio.
Auch den Sängerwechsel mussten wir noch kompensieren, da Matze ja vorher noch überhaupt keine Band-Erfahrung hatte. Was sich dann auch bei den Aufnahmen das ein oder andere Mal bemerkbar machte als aufgrund der Anstrengung beim Singen auf einmal kein anständiger Ton mehr aus ihm raus kam.

Floh: Das hat sich einfach so ergeben. Man hat immer Phasen in denen man massenweise gute Ideen hat und das war damals eben so eine. In anderen Zeiten fällt es einem schwer, etwas ordentliches hin zu bekommen...so wie zur Zeit!

Matze: Keine Ahnung, als ich eingestiegen bin standen die Texte schon zu 98 Prozent. Und das Geschrammel war auch schon so gut wie fertig. Wir haben uns aber auf jeden Fall vorgenommen uns für das neue Album mehr Zeit zu nehmen.

Nix Gut:
Auf dem aktuellen Album habt Ihr einen Neuen am Mikro. Warum hat sich Euer alter Sänger von Euch getrennt, oder Ihr von ihm und war es ein schmerzhafter Abschied?

Mic: Ja, wir haben uns von unserem alten Sänger getrennt. Er war ja unter anderem nicht mehr der gesündeste und hat es mit dem Herzen. Es ist wahr, dass die gesundheitlichen Gründe einen Sänger von der Bühne nehmen können. In unserem Fall war es in der Endphase mit dem alten Sänger auch so, dass es bei Konzerten schon zu Aussetzern am Mikro kam, weil ihm einfach die Luft weggeblieben ist. Die Sache ist leider komplizierter als Manche es sich vorstellen können. Ursprünglich wollten wir es bei dieser offiziellen Version belassen, alles daran ist wahr und reicht völlig um die Trennung vom Sänger zu rechtfertigen, nur gab es noch andere, viel wichtigere Gründe Ihn nicht mehr in der Band haben zu wollen. Die wollten wir damals nur nicht in der Öffentlichkeit breittreten. Außerdem haben wir es noch gut mit Ihm gemeint und weiter nichts verlauten lassen, um sein Gesicht zu wahren. Er scheint aber anderer Meinung zu sein und macht seither regelmäßig Stress. Die Wahrheit ist, dass er uns die ganzen Jahre belogen hat. Er hat hinter dem Rücken seiner Bandmitglieder her gezogen, vor anderen Leuten behauptet, er sei der Bandgründer und ohne Ihn würde bei der Freibeuter AG gar nix laufen, usw … Quasi die ganze Bandbreite an Scheiße und Lügen, die einen solchen Menschen nicht mehr tragbar machen – nicht in einer Band und nicht als Freund. Wir konnten und wollten nicht zulassen, dass er sich auf Kosten der Band profiliert. Als wir davon erfuhren, haben wir keinen Moment gezögert und Ihn sofort ab serviert. Ob der Abschied schmerzhaft war? Nein, er war überfällig!

Floh: Der alte Sänger hat sich praktisch selbst aus der Band geschmissen! Irgendwann ist man an einem Punkt, an dem manche Menschen nicht mehr tragbar sind und der war auch schon weit überschritten. Wenn wir weiter mit ihm Musik gemacht hätten, wären wir früher oder später unglaubwürdig geworden und das wollten wir vermeiden. Auf die genauen Ursachen wollen wir in einem Interview nicht unbedingt eingehen weil wir der Meinung sind dass das eine bandinterne Geschichte ist und auch bleiben sollte. Als Abschiedsgeschenk haben wir ihm ja noch das „Lebenslüge“ gewidmet – da kann man sich dann schon ungefähr denken warum das mit ihm einfach nicht mehr ging.

Matze: ...weil der neue einfach verdammt gut aussieht. Er bringt frischen Wind in die Band und der alte war auch nicht mehr tragbar. Der hat sich so einiges geleistet, mit dem sich die restliche Freibeuter AG nicht mit in Verbindung bringen wollte. Der Rausschmiss kam genau zu rechten Zeit. Ich hab vorher noch in keiner Band gesungen aber trotzdem sind sie irgendwie durch den Indy auf mich aufmerksam geworden und haben mich gefragt. War auch dann alles sehr kurzfristig bis zum Studio...trotzdem ist das Album sehr gut geworden.

Nix Gut:
Gerüchten zufolge, soll auch Euer Schlagzeuger sich bald aus der Band verabschieden? Stimmt das, warum, und gibt’s schon einen namhaften Neuen?

Floh: Der Indy hat in einem Zeitpunkt der geistigen Umnachtung festgestellt, dass er doch lieber Rasta-Mukke machen will...Natürlich haben wir uns um einen Nachfolger bemüht mit dem wir seit einigen Wochen proben was auch sehr gut klappt. Im Januar wird es dann auch das erste Konzert in Illmenau mit dem Neuen geben.

Matze: Ein Namen hat der Neue schon: Benni. Indy hat uns aus freien Stücken verlassen. Er hat sich einfach im Laufe der Jahre zu sehr von Deutschpunk entfernt und dann die Konsequenzen daraus gezogen. Mit Benni haben wir glaub ich trotzdem einen guten Deal gemacht.

Mic: Das Gerücht ist wahr und auch schon Tatsache geworden. Indy, unser langjähriger Schlagzeuger, Texteschreiber, Fotograf und obendrein noch Gründungsmitglied der Freibeuter AG hat uns verlassen. Indy hatte dem Rest der Band kurz vor einer Bandprobe eine lange E-Mail geschrieben, in der er schweren Herzens den Entschluss gefasst hat, sich langsam aus der Band herauszuziehen. Nach fast acht Jahren hat sich sein Musikgeschmack derart geändert, dass er mit dem klassischen Deutschpunk, den er als junger Punk noch gerne hörte, nichts mehr anzufangen weiß. Es macht keinen Spaß, Mukke zu machen, die einem selber nicht mehr gefällt. Ihm ist dieser Schritt sichtlich schwer gefallen: er hat uns dann bei der letzten gemeinsamen Bandprobe gesagt, dass er den Text an uns mehrere Male schon wieder gelöscht hatte um neu anzusetzen … schon fast als würde er sich von einer Frau trennen. Für den Rest der Freibeuter AG ist das natürlich ein harter Schlag gewesen. Aber es gibt Bandmitglieder die würden sogar noch alleine als „Freibeuter AG“ auf der Bühne stehen wenn es sein muss. Und so war klar, dass es auf jeden Fall weiter geht. Der Indy bleibt uns aber auch weiterhin erhalten, da er auch in Zukunft noch Fotos für uns machen wird und außerdem sind wir mit ihm über seine andere Band, mit denen wir uns den Proberaum auch teilen, immer noch in Kontakt. Wir brauchten also einen neuen Trommler, der sich dann auch bald gefunden hat. Benni hat auch gleich zugesagt und ist seitdem fleißig am Proben der angestammten Songs von zwei vergangenen Alben. Wie wir nach den ersten Proben finden, klappt das auch schon sehr gut und bei den nächsten Live-Auftritten wird keiner wirklich merken, dass sich bei uns was geändert hat – zumindest nicht musikalisch.

Nix Gut:
Eure Texte sind sehr politisch und rechnen mit Ungerechtigkeiten stark ab. Was denkt Ihr wiederum über Szene-Angehörige die sich unpolitisch nennen und die Szene einfach nur als Alkohol-Konsum-Freischein hinnehmen?

Matze: Für mich gibt es unpolitisch nicht. Politik geht jeden von uns was an. Leute die sich unpolitisch bzw. häufig Oi! nennen, benutzen diese Bezeichnung nur damit sie ihr Hirn nicht einschalten müssen, oder auch mal um mit Faschos einen drauf machen zu können. Wenn ich weggehe rede ich auch nicht über Politik, bzw. versuch niemanden meine Einstellung aufzudrängen. Trotzdem ist die Politik in mir die ganze Zeit präsent. Wenn mich jemand fragt, wie ich zu einem bestimmten Thema stehe, wird er immer eine klare Antwort von mir bekommen. Ob die ihm passt oder nicht - scheiß egal. Schließlich heißt politisch sein für mich, eine eigene Meinung zu vertreten. Über solche Personen wird es in ferner Zukunft auch ein Lied von uns geben. Zum Thema Alkohol-Konsum: Ich bin nicht Punk, damit ich mich die ganze Zeit zu saufen kann. Das könnt ich auch als Nicht-Punker. Ob unsere Texte so politisch sind, weiß ich nicht. Die Texte von Michi und Floh aber bestimmt mehr als meine. Wir sprechen einfach an was uns ankotzt oder wo wir denken, dass etwas falsch läuft in der Gesellschaft.

Mic: Politische Texte würde ich jetzt nicht mal sagen, eher radikal und ungebremst. Nazis bleiben scheiße, auch wenn das in vergangenen Songs von anderen Band schon oft gesagt wurde. Ungerechtigkeiten bleiben ungerecht und wir finden einfach, dass wir mit unseren Texten darauf aufmerksam machen können. Musik war schon immer ein Transportmittel für Ansichten und Meinungen. Wer meint, dass es falsch sei als Band sich in Texten mit Dingen zu beschäftigen die nicht nur Saufen, Ficken und Alkohol beinhalten, auf den können wir als Band auch gerne verzichten. Meine ganz persönliche Motivation auf der Bühne zu stehen und Texte zu schreiben ist und bleibt die Möglichkeit, etwas damit zu verändern.

Floh: Unpolitisch gibt es im Endeffekt nicht! Man sollte unterscheiden zwischen politischen Richtungen und Parteien oder ob man sich jetzt gegen Nazis oder sonst was auf die Straße stellt. Politik und Parteien haben ja auch immer etwas mit Macht und Unterdrückung zu tun, egal ob sie sich jetzt rechts, links, demokratisch oder wie auch immer schimpfen. Ich persönlich kann auf Parteien, auch diejenigen die sich als links bezeichnen, gut und gerne verzichten und würde mich selbst auch nicht in diese Schublade stecken auch wenn ich es vom Grundgedanken her wahrscheinlich bin.
Zum Thema Alkohol-Konsum-Freischein: Auch ich hatte diesen Schein bis vor einigen Jahren – heute verstehe ich selbst nicht mehr, was mich damals geritten hat. Punk ist für mich Freiheit und der Kampf gegen Ungerechtigkeit...der Spaß darf dabei auch nicht zu kurz kommen aber eben nicht an erster Stelle stehen! In den Jahren, in denen ich ständig besoffen durch die Gegend geflogen bin, hatte ich zwar das Gefühl von Freiheit was sich am Ende aber als Illusion herausgestellt hat und besoffen oder sonst wie drauf ist man eben nicht in der Lage irgendwas sinnvolles auf die Beine zu stellen. Mein Körper leidet heute noch unter dem massenhaften Alkoholkonsum, was meine Freiheit heute wiederum einschränkt. Ich trinke auch gerne mal ein Bier auf Konzerten und das sollte man auch keinem verübeln aber alles im Leben sollte ein gesundes Maß nicht überschreiten.

Jörg: Unpolitisch sind komischerweise meistens Leute, mit denen du eigentlich über nix anders als über Politik reden kannst. Eine Unterhaltung mit jemandem, der „unpolitisch“ ist führt eigentlich meistens in die Richtung. Schon allein deswegen, weil sie einfach keine Ahnung haben und sich in vielen Sachen selbst widersprechen. Da muss man dann einfach mit diskutieren. Jemand, der sich wirklich nicht um Politik schert, der labert auch nicht die ganze Zeit darüber.
Ich persönlich schließe mich dem an, was der Floh schon so treffend über die Parteien und so bemerkt hat.
Ich bin eigentlich auch so jemand, der nicht wirklich ohne Alk feiern kann. Aber ich trinke meistens auch nur, wenn ich eben feiern will. Ganz selten mal, wenn ich schlecht drauf bin. Viele gehen einfach davon aus: „Ich bin Punk, ich muss besoffen sein“. So kommts mir jedenfalls manchmal vor. Aber es gehört halt nicht zwangsweise zum Punk-Dasein dazu. Wie der Matze schon gesagt hat: Besaufen kann ich mich auch als Nicht-Punk.
Wenn du wirklich was bewegen willst, machst du auf jeden Fall was falsch, wenn du dir die ganze Zeit die Birne zu dröhnst. Es sei denn du bist drauf aus, ständig in der Ausnüchterungszelle zu landen. Dann mach ruhig weiter so...

Nix Gut:
Ihr organisiert nebenbei auch die PiratePunkParty, wenn ich nicht ganz irre, was kann man sich darunter vorstellen? Dürfen da denn nur Piraten und Punker hin, hähä?

Mic: Die Idee der PiratePunkParty (PPP) war, das Anarchistische von Piraten mit dem von Punks zu verbinden. Es gibt erstaunlich viele Parallelen zwischen dem Leben von Piraten damals und Punks heute. Bei der PiratePunkParty wird die Location entsprechend im Piratenflair dekoriert und einige Leute kommen sogar als Piraten verkleidet zur/zum Party/Konzert. Wir versuchen die Stimmung einer geilen Party mit der eines geilen Konzerts zu verbinden. Kommen kann also jeder der Bock drauf hat mal was anderes zu erleben.

Matze: Kommen kann natürlich grundsätzlich jeder, solange nicht wieder solche Assis kommen die nur auf Schlägern aus sind. Letztens Jahr konnte man als Pirat verbilligt rein. Unter der PiratPunkParty kann man sich einfach einen saugeilen Abend vorstellen mit tollen Bands und viel Wiedersehens. Dieses Mal spielen neben uns noch „Take Shit“, noch eine Combo und die lokale Band „the Oyeahs“. Das ganze findet dann am 8.3.2008 im Club Scheuen in Erlangen statt. Nebenbei feiern zwei der AG da noch ihren Geburtstag.

Nix Gut:
Haben sich Eure musikalischen Ansprüche, Wünsche und Ziele seit dem Entstehen von „Freibeuter AG“ geändert, sind diese gestiegen oder dominiert bei Euch der reine Spaß am Musizieren?

Jörg: Bei mir persönlich hat sich wenig geändert. Ich spiel, weil es mir Spaß macht und weil ich so umsonst auf so manches Konzi komme.
Die musikalischen Ansprüche sind natürlich auch gestiegen, schließlich entwickelt man sich ja auch weiter. Mir wäre wahrscheinlich total langweilig, wenn ich mit dem gleichen musikalischen Know-How wie am Anfang vor 8 Jahren auf der Bühne stehen würde.

Floh: Der Spaß steht natürlich im Vordergrund! Was mir persönlich am wichtigsten ist, ist dass man die Leute durch die Musik zum Nachdenken anregen kann, um eben auf Missstände aufmerksam zu machen. Nur leider können wir das Rad auch nicht neu erfinden weil alles schon einmal da war. Irgendwie kann man es noch mal anders umsetzen und hoffen, dass die Leute kapieren, dass es wichtig ist, das Maul auf zu machen.
Unsere Ansprüche an uns selbst sind heute natürlich um einiges höher als noch vor zwei Jahren. Jetzt macht man sich viel mehr Gedanken wie man seine Texte schreibt, wie das nächste Motiv für irgendwas aussehen soll oder was für ein Foto wir für das Cover hernehmen sollen – eigentlich schade und Wahnsinn!

Matze: Die einzigen, die ja noch von Anfang an dabei sind, sind der Mic und der Jörg. Aber ich glaube schon, dass die Ansprüche von mal zu mal steigen. Der Spaß dominiert natürlich noch, leben kann man davon ja nicht. Man zahlt sogar noch aus eigener Kasse was drauf. Ich glaub wenn man keinen Spaß mehr hat, in einer Band zu spielen, dann sollte man das auch einfach lassen. Dass die Ansprüche an einen steigen ist normal. Wer will schon sein Leben lang auf dem gleichen Level spielen.

Mic: Die Ansprüche steigen natürlich immer. Auch wenn wir nicht die Erwartungen anderer erfüllen, in dem wie wir uns weiter entwickeln, so haben wir natürlich alle unsere eigenen Ansprüche in der Band: der Eine legt mehr Wert auf das Musikalische, der Andere auf den Text, usw… .

Nix Gut:
In der Zeit des Klima-Wandels (wobei dieser ja eigentlich seit der Entstehung dieses Planeten agiert) gibt es so einige Diskussionen um unsere „kranke“ Erde. Macht Ihr Euch darüber auch Eure Gedanken, und welche Tipps hättet Ihr denn zur Lösung des globalen Problems oder welchen Teil tragt Ihr dazu bei?

Matze: ...naja: die Erde passt sich halt den Menschen an. Nachdem es so viele kranke Menschen auf diesem Planeten gibt ist es kein Wunder, dass diese auch erkrankt. Ich persönlich mache mir nicht allzu viele Gedanken. Ich fahre eigentlich das ganze Jahr über alle Strecken in Nürnberg mit dem Fahrrad (was auch an der fehlenden Kohle liegen kann). Zudem versuch ich mich einigermaßen gesund zu ernähren. z. B. kauf ich frische Lebensmittel ein und unterstütze auch keinerlei Fastfood-Restaurants. Wobei dabei nicht mal aus ökologischem Sinne, sondern weil ich das Essen einfach zum kotzen finde. Ich find es einfach nur Müll was man sich da rein haut. Zudem versuch ich noch Strom- und Heizkosten zu sparen wo es möglich ist. Aber was soll’s. Ich glaub, da ist eh nicht mehr viel zu retten.

Mic: Also meine ganz persönliche Meinung dazu ist, dass sich gerade die großen Decksschleudern der Welt – die Industrienationen - einen Dreck darum scheren, welchen globalen Schaden sie anrichten. Es ist im Moment halt nicht sehr populär und es lassen sich keine Wahlen damit gewinnen zuzugeben, dass man der Industriewirtschaft in den Hintern kriecht. Die Industrie ist immer nur an ihrem Profit interessiert und es ist Ihnen auch egal, dass Sie damit den ärmeren Ländern die „Luft“ mit versauen. Alles was jetzt an großen Reden geschwungen wird, dient nur dazu den Menschen weiß zu machen, es gäbe noch ein globales Gewissen gegenüber kommenden Generationen. Unser Beitrag zu diesem Thema besteht mindestens darin, bei Interviews wie diesen eine feste Meinung dazu zu haben ;).

Floh: Ich verstehe nicht warum sich alle so aufregen und nur immer das Schlechte sehen!? Durch die Klimaerwärmung besteht doch die gute Chance, dass wir irgendwann von Erlangen zum Strand nur noch ne halbe Stunde mit dem Auto fahren müssen. Dann ist der Name Freibeuter AG endlich gerechtfertigt...wir tragen natürlich genug dazu bei damit es bald so weit ist: zum Beispiel fahren wir manchmal 5 Leute mit drei Autos zum Proberaum – mehr können wir im Augenblick auch nicht machen!

Jörg: ...wir segeln...aber das mit dem Strand ist auch spitze...

Nix Gut:
Tja, die Weihnachtszeit kommt alle Jahre wieder, wie verbringen die Freibeuter denn diese „besinnliche“ Zeit, wenn überhaupt?

Matze: Ich verbring die Zeit mit der Literaturrecherche für meine Diplomarbeit (ja! Die Freibeuter AG ist eine Studentenband!) und dann plane ich noch in ein paar Monaten einen kleinen Film zu drehen, der schon seit einem Jahr in Planung ist und für den noch einige Kleinigkeiten zu erledigen sind. Sonst muss ich die Tage um Weihnachten arbeiten so wie es aussieht. An Weihnachten selbst mach ich eigentlich nichts besonders. Ich bin nicht religiös, warum sollte ich deshalb Weihnachten feiern. Das Fest ist eh heuchlerisch. Die ganzen Leute gehen nie in die Kirche und glauben sonst auch nicht an Gott und an Weihnachten sind sie dann wieder alle gläubig und doch so freundlich zu jedem. Einfach zum kotzen! Ein Tag für mich wie jeder andere, nur das ich halt frei hab.

Floh: Ich werde mal wieder auf ein Konzert gehen bei dem wir selbst nicht spielen – kommt leider viel zu selten vor in letzter Zeit...

Mic: „Weihnachten“? Hab ich schon mal gehört. Kann man das essen?

Nix Gut:
An dieser Stelle die typische letzte Frage! Was würdet Ihr Euren Freunden, Feinden und Fans mit auf den Weg geben? Her mit den Weisheiten, Fakten, Sprüchen oder Klugscheissereien....

Jörg: Esst keinen gelben Schnee!!

Mic: Oh, das ist schwer … Ich zitiere jetzt einfach mal von einem „Moskote“-Zigarettenpapierdeckel einen Spruch von Lichtenberg, den ich schon seit Jahren mit mir herumtrage (obwohl ich gar kein Raucher mehr bin): „Lass Dich nicht anstecken, gib keines anderen Meinung, ehe Du sie Dir anpassend gefunden, für Deine aus; meine lieber selbst.“ Ich finde, da hat er recht.

Floh: Meinem größten Feind will ich mit auf den Weg geben, dass ich hoffe dass sein Herz bald stehen bleibt und dass er verrecken soll!
Welche Freunde!?
Ansonsten hoffe ich, dass den Leuten die Musik weiterhin gefällt und wir weiterhin so geile Konzerte und Partys mit ihnen feiern!

Matze: Freunden: Bis bald
Feinden: interessieren mich nicht.
Fans: viel Spaß auf unseren Konzerten.

Nix Gut:
Wir bedanken und verabschieden uns ganz artig und wünschen Euch noch viele Jahre an Euren Instrumenten! Und vielleicht sieht man sich ja mal wieder!

Mic: Danke Euch auch und lasst es ordentlich krachen an Silvester!
Floh: Ahoi! (muss immer das letzte Wort haben!)

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