ESA-ZECKEN

Ort: , Datum: 01.01.1970

Nix Gut:
Schön dass Ihr die Zeit gefunden habt mit uns ein wenig zu plaudern. Es ist geschafft, das Album ist endlich dem Presswerk entkommen und auf dem Weg in private CD-Sammlungen. Wie waren die Arbeiten daran und wie lange hat das Einspielen gedauert?

RICO:
Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt ;-). In erster Linie war es stressig da das ja schon richtig Arbeit ist. Zudem ist es ganz schön nervig alles 1000mal zu spielen um die kleinen Fehler auszubügeln die einen so stören. Auf der anderen Seite ist es jetzt natürlich sehr schön zu sehen dass man wohl doch etwas ganz Gutes auf die Reihe gekriegt hat. Wir haben ca. 8 Wochen aufgenommen und abgemischt allerdings konnten wir nicht durchgängig im Studio sein und da das Mixing bei uns ja ein demokratischer Prozess ist bei dem alle ihre Meinung einbringen sollen dauerte das etwas. Jetzt ist es aber da und ich hoffe den Leuten wird es gefallen...wir haben ein gutes Gefühl!
Nix Gut:
Am 13.01. fand die dazugehörige Release-Party im „Gleis1“, in Eisenach, statt, jedoch leider ohne Euch, da sich einer Eurer zwei Gitarristen das Schlüsselbein gebrochen hat. Wie ist das passiert, wie geht es Marco jetzt, wann ist er wieder voll und ganz einsatzbereit und wann gibt´s das Nachfeiern? Wir wollen doch schließlich auch dabei sein!

RICO:
Ihr wollt da mitfeiern? Soviel Alkohol haben wir nicht ;-) Nein im Ernst Marco hat sich bei seinen sportlichen Aktivitäten einfach Pech gehabt. Er ist aber auf dem Weg der Besserung und wir denken dass wir Anfang März wieder live spielen können. Die Release Party wird nun neu geplant aber wir hoffen dass wir Ende März feiern können. Ihr seid natürlich dann herzlich eingeladen da mir so Leute wie Peter schon ans Herz gewachsen sind. Aber auch alle anderen werden auf ihre Kosten kommen – bei uns in der Gegend ist ja nicht so viel mit Konzerten im Punkbereich – das wird schon lustig werden ;-)

Nix Gut:
Hat die Sache Eure Stimmung und das Release von „Jemand muss ja aufräumen!“ getrübt, oder können Euch solche Umstände nicht aus der Fassung bringen?

Wir mussten 3-4 Konzerte absagen was natürlich nicht besonders schön ist aber dafür hatten alle Verständnis. Ansonsten bringt uns das nicht wirklich aus der Fassung, passiert jetzt alles halt ein bisschen später – wir haben schon schlimmeres überstanden. Und da er ja wieder gesund wird (was immer das auch heißt in unserer Band ;-) ) schaffen wir das schon. Aber vielleicht sollte ich hier anmerken das er sich über Genesungswünsche freut damit das Email Postfach überquillt ;-) Ach ja und Spenden gehen an... ;-)


Nix Gut:
Das Album ist ein Meisterwerk geworden! 13 Songs, die Schnell, melodisch, teils lustig, teils kritisch, und rotzig sind, hinzu kommt eine Solo-Gitarre, die weiß wie man eine Gänsehaut hervorruft. Gab es Musiker oder Vorbilder, an denen Ihr Euch mit diesem Album orientiert habt?

RICO:
Schönen Dank so was hört man gerne – dann hat sich ja der Aufwand im Studio gelohnt! Wir haben in den letzten 2 Jahren einfach die ganzen Eindrücke des Lebens versucht in Songs zu fassen. Da gibt es eben die unterschiedlichsten Gefühle und auch unterschiedliche Interpretationen – real Life eben. Dass die Platte nun etwas düsterer/wütender geworden ist liegt meiner Meinung nach einfach an den Zeiten in denen wir uns bewegen.
Vorbilder zu benennen ist etwas schwierig das würde auch meinem Verständnis von Punkrock nicht ganz entsprechen. Sicher gibt es Bands die zeitlos gute Alben gemacht haben (Dritte Wahl, Molotow Soda, Slime usw.) aber die hatten auch nie den Anspruch selber Vorbilder zu sein. Allerdings fand und finde ich Elf’s (Slime, Mimmis) Gitarrenspiel klasse!
Egal ob bei Slime, CIA, Mimmis oder bei seinen Soloplatten (kauft „German Angst“!!!- gibt es die bei Nix Gut???) – großartig!
Aber ich denke schon dass man unterbewusst von einigen Bands beeinflusst ist - das hören meist aber die anderen Leute heraus -„ Hey dieser Song klingt ja total nach Band XY“ hat sicher jede band schon mal gehört ;-)

RALLE:
Bei uns treffen halt fünf total unterschiedliche Charaktere aufeinander und jeder bringt sich und seinen persönlichen Geschmack beim Songwriting mit ein. Das macht unsere Songs und damit auch die Alben sehr abwechslungsreich. Da haben wir Vogti der auf Rock’n’Roll abfährt, Marco der eher aus der Hardcorerichtung kommt, Rico der den alten Punk sowie düstere Musik mag, und OT und meine Wenigkeit, die gerne melodische Sachen oder Ska hören. Alles mit einfließen zu lassen ist manchmal schwierig, wir versuchen aber die Ideen von jedem mit umzusetzen.

Nix Gut:
Es wäre mal interessant zu wissen, welchen Song ein jeder von Euch zu seinem persönlichen Hit auserkoren hat, welchen er hier den Lesern gerne empfehlen würde?

RICO:
Hmmm schwierige Frage.... Man hat zwar Favoriten aber wenn ich ehrlich bin habe ich darüber noch gar nicht nachgedacht, ich war eher auf diese typische Frage von den 3 Platten die man auf die einsame Insel mitnimmt vorbereitet ;-) aber ich würde mich für „Flamme“ entscheiden weil das für mich ein sehr persönlicher Song ist.
RALLE:
Also ich mag ‚Balkon’ sehr gerne, obwohl der Song ja so gar nicht typisch ist für uns. Er stammt fast komplett aus Ricos Feder und wir haben uns entschieden ihn etwas ruhiger, wir sagen im ‚Social Distortion – Style’, klingen zu lassen. Das hatten wir uns schon länger mal vorgenommen. Und um mal an die vorhergehende Frage anzuknüpfen: Mike Ness For President!

Nix Gut:
Um mal auf „Fight Back“ einzugehen, ein Song der 100%ig die neue Anti-Nazi-Hymne wird. Viele Bands machen Anti-Nazi-Songs, die jedoch des Öfteren von Kritikern aus der Szene, als ausgelutscht und im Kreis gedreht abgestempelt werden. Habt Ihr für solche Kritik Verständnis?



RICO:
Würde uns sehr freuen wenn Songs wie „Alarm“ oder „Fight back“ der Szene helfen gegen das ganze Pack vorzugehen!
Mit Anti-Nazi Songs ist es doch so – natürlich ist das Thema schon aus allen Winkeln beleuchtet worden da wird sicher inhaltlich nichts neues mehr kommen zumal wir uns ja auch alle über die Aussage einig sind. Ebenso gibt es Songs darüber die aus dem Rahmen fallen (Ärzte Song „Ein Sommer nur für mich“ oder Heiter bis Wolkig „10 kleine Nazischweine“)
Aber im Grunde geht es uns da um etwas anderes. Wir drücken in unseren Songs die Sachen aus die uns stören und das sind nun mal sämtliche Formen von Rassismus und Faschismus – da ist es mir auch dann egal wer und wie viele das vor mir getan haben. Ich fühle so deswegen schreibe ich so einen Song. „Alarm“ ist in 20 min entstanden weil es mir fürchterlich auf den Sack ging das es in meiner Heimatstadt nun 3 Naziläden gibt die Thor Steinar verkaufen. Dieses Gefühl äußert sich nun mal meistens plakativ und wird dann auch so umgesetzt. Das spricht natürlich nicht gegen Songs die sich hintergründig mit dem Thema befassen aber deswegen von „im Kreis drehen“ reden finde ich nicht gut. Und solange dieses Thema noch existiert finde ich es schon gar nicht ausgelutscht!!! Aber wem sage ich das.....ihr führt ja quasi unseren Prozess gegen das Vergessen...

Nix Gut:
Was wäre Eurer Meinung nach das beste Mittel gegen die braune Pest?

RICO:
Bildung. Und das Aufzeigen von Alternativen. Überall da wo man es verstanden hat die Jugend halbwegs Alternativangeboten zum rechten Mist aufzuzeigen ist das Problem nicht so gravierend. So was erfordert aber Mittel vom Staat und Courage in den Ämtern –beides eher selten. Dazu Institutionen die einfach bestehende Mittel bis zum Ende auch nutzen.
Und natürlich Leuten die einfach nur couragiert gegen das Pack angehen nicht noch mit Prozessen überziehen....ich denke das Geld was ein Prozess wie eurer kostet wäre auch in Schulen oder Jugendclubs gebraucht worden...stattdessen muss man sich in D mit Anwälten mit Profilneurosen rumärgern...
Aber ich glaube das Problem ist zu komplex um das hier zu erläutern...soll ja kein Buch werden ;-)

Nix Gut:
Ihr kommt alle aus und um ESA. Was geht in dieser Stadt so auf der „linken“ Seite und was auf der „rechten“ ab?

RICO:
Da ich der einzige Nicht-Eisenacher bin kann ich nur von „außen“ berichten. Ich denke in ESA gibt es schon etliche Nazis aber auch eine starke Hardcore und Rock’n’Roll Bewegung
die denen schon ganz gut Gegenwind geben. Gibt auf alle Fälle schlimmere Ecken in Thüringen als Eisenach.

RALLE:
Also wir hatten hier in ESA Mitte und Ende der Neunziger ein richtiges Nazi-Problem, dementsprechend klein und zurückgezogen war auch die linke Szene. Als wir dann eine erste kleine Anti-Fa gegründet und auch mit kleineren Konzerten im Umkreis Präsenz gezeigt haben, hat sich das Ganze etwas ausgeglichen. Heute ist Eisenach eigentlich eine sehr ‚sichere’ Stadt was dieses Thema betrifft. Es haben sich mittlerweile Rock’n’Roller, OI’s, Punks, Metaller und Hardcorer zu einer funktionierenden Szene zusammengeschlossen. Es kennt hier fast jeder jeden und somit werden dem Nachwuchs Alternativen aufgezeigt. Hier gilt man eben eher als ‚cool’ wenn man als Hardcoremember und nicht mit Glatze und Springerstiefeln rumläuft. Durch unsere grenznahe Lage und die gute Infrastruktur dürfte in ESA auch die Arbeitslosenquote im Vergleich zu anderen ostdeutschen Städten relativ gering sein. Dadurch sind wir kein sozialer Brennpunkt, die Kids können sich relativ gut entfalten und kommen weniger auf dumme (rechte) Gedanken.


Nix Gut:
Um diesem Interview noch mehr politisches Flair zu verleihen, würde ich gerne wissen wie Ihr eigentlich unsere Bundeskanzlerin findet. Hat Angie unser Land Eurer Meinung nach ein Stück weiter gebracht, oder läuft sie zwei Schritte vor und drei zurück?

RICO:
Letztendlich hat sie ja auch keinen Einfluss. In diesen Kreisen tut sich niemand mehr weh. Jeder muss seine Lobby vertreten und gewisse Entscheidungen für seine Hintermänner durchsetzen.
Also eigentlich kein Unterschied zu vorher – für Macht machen ja Typen wie Merkel, Müntef. usw. doch alles...
Es ist ermüdend sich das alles jeden Tag aufs Neue anzusehen und trotzdem nicht abzustumpfen. Aber Mohnhaupt und Klar kommen ja bald raus mal sehen was dann geht ;-)

RALLE:
Ich finde sie ist die attraktivste Bundeskanzlerin die wir je hatten…
;-)

Nix Gut:
Ok, dann genug mit der Politik! Bevor Ihr Euch zusammengefunden habt, wart Ihr in anderen Bands, wie Koma, Systemstörung, Fuckin´ Faces und Lost in Life. Somit jede Menge Erfahrung im Musikwesen. Welche Wünsche habt Ihr für Eure jetzige Band und welche Ziele verfolgt man, wenn man schon in so einigen Bands aktiv war?

RICO:
Eigentlich auch keine anderen als in den Bands vorher. Man trifft sich um Musik zu machen (und leider auch viel zu oft um daraus vor dem Proberaum eine Grillparty daraus werden zu lassen ;-)) um Konzerte zu geben und Leute zu treffen. Deswegen sind wir ja auch nach diesen Bands in dieser zusammengekommen weil jeder irgendwie ohne das nicht kann. Du musst irgendwie dein Leben verarbeiten und dafür eignet sich nichts besser als Musik.
Wünsche und Ziele gibt es so konkret von meiner Seite eigentlich nicht. Außer nicht immer an Tagen Gigs zu bekommen an dem der FC ST. Pauli spielt ;-)

RALLE:
Außer bei den Grillpartys gebe ich Rico voll und ganz Recht. Die mag er nur nicht weil er kein Fleisch isst…
Ich wünsche mir einfach noch mehr Konzertanfragen, denn dafür mache ich das Ganze eigentlich. Es ist ein herrliches Gefühl auf der Bühne den Leuten als Sprachrohr zu dienen und raus zu schreien was ihnen auch schon lange auf dem Herzen liegt.
Und ich wünsche mir einen Barbecuegrill für den Proberaum… 

Nix Gut:
Eigentlich gab es Euch schon 1998, unter dem Namen „Auszeit“ unter dem sogar noch zwei Demotapes entstanden waren. Warum der Namenswechsel?

RALLE:
Ich habe mich damals wegen musikalischer Differenzen von den Jungs getrennt. An meiner Stelle kam dann Vogti als Sänger in die Band und sie haben als ESA-Zecken weiter gemacht. Währenddessen habe ich Erfahrungen in anderen Bandprojekten gesammelt und dabei Rico kennen gelernt. Wir haben musikalisch sofort harmoniert, auch wenn wir uns gegenseitig manchmal tierisch auf den Sack gehen. Das ist bis heute so geblieben. Und als ich 2001 wieder bei den Zecken eingestiegen bin, habe ich Rico einfach mitgebracht, ein zweiter Gitarrist hatte eh gefehlt zu diesem Zeitpunkt. Und so funktioniert das Ganze bis heute.

Nix Gut:
Was geht privat so bei Euch ab? Seid Ihr verheiratet, Kinder, Enkel, Hund, Katze, Maus? Gibt es derzeitige andere Musikprojekte? Welchen Jobs geht Ihr nach?

RICO:
Komm uns doch besuchen ;-) Mann was ihr alles so wissen wollt ;-)
Also wir müssen natürlich alle irgendwie einer halbwegs geregelten Tätigkeit nachgehen um
Hund, Katze und die Proberaummaus (die es wirklich gibt!) zu versorgen. Andere Musikprojekte gibt es nicht, es hat glaube ich auch niemand Zeit für eine zweite Band.
Verheiratet ist auch niemand oder ich war nicht eingeladen ;-)
Und Kinder? Wer weiss das schon genau? ;-)

RALLE:
Ich habe nur zwei Dobermänner die mich auf meinem Landsitz bewachen. Es ist unglaublich wie viele gefährliche Neider so ein beheizter Pool und ein Mercedes hervorrufen! 

Nix Gut:
So, jetzt wissen wir fast so viel wie die Stasi zu ihrer besten Zeit! Dann wollen wir nur noch, die, immer an dieser Stelle, kommende, Mitteilung an die Leser verabschieden! Also los, was wollt Ihr Euren Fans mit auf den Weg geben:

RICO:
Einfach nicht vergessen das Punk immer „do it yourself“ war und ist, man seine Szene unterstützen sollte wo man nur kann.

RALLE:
Ich möchte mich gerne bei allen Freunden und den beiden Fans für die geilen Jahre bedanken.
Lasst euch nicht verarschen und nix vorschreiben.
Stay Punk and Rock On!

Nix Gut:
Wir bedanken uns noch einmal, wünschen Euch für die Zukunft alles Beste und wir sehen uns auf der Release-Party!

RICO:
Wir freuen uns auf euch alle! Wir hoffen dass wir dann bei uns ein paar Prozessgewinner begrüßen dürfen!!!!!








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